Vogelarten im Oberengadin

Über 112 Vogelarten brüten im Engadin, weitere ca. 120 Arten nutzen die Region als Rast-, Nahrungs- oder Überwinterungsplatz. Die Anzahl der Brutvogelarten liegt zwischen wenigen Paaren und einigen tausend. Die Seltenen werden hier kurz beschrieben.

Birk- und Schneehuhn

Balzende Birkhähne im Bereich der Waldgrenze

Skiarena kontra Balzplätze?

Im Oberengadin umfassen zehn alpine Skigebiete total 43 km² „Schneeanlagen“. Daraus ziehen sich Birk- und Schneehühner zurück. Mit der flächigen Beschneiung beginnt die winterliche Störungsphase für die Wildhühner bereits im November und sie hält auch nachts an.

In Graubünden hält sich das Birkhuhn insgesamt gut, während es in den Nordalpen und im Tessin gebietsweise zurückgeht. Gründe sind Habitatverluste und Störungen.

Auerhuhn

Auerhahn umwirbelt die nur halb so schwere Henne auf dem Balzplatz

„Schirmart“ mit Problemen

Das Auerhuhn stellt hohe Ansprüche an sein Waldhabitat und steht stellvertretend für eine ganze Lebensgemeinschaft von Arten wie das Hasel- und Birkhuhn, die ähnlich vielfältige und ungestörte Wälder brauchen.

Stirbt unser grösster Waldvogel aus?

Der Rückgang des Auerhahns lässt sich seit 1900 belegen. 1970 gab es noch mindestens 1100 Hähne in der Schweiz, heute sind es 450 bis 500. In Graubünden mit dem Engadin liegt ein Verbreitungsschwerpunkt.  Gründe für den Rückgang: Verschlechterung des Lebensraums (Mangel an lückigen Waldstrukturen) und Zuhnahme an Störungen durch Menschen (z.B. Pilzsammler, Hunde, Geländesport).

Gezielte forstliche Eingriffe und Lenkung des stark angewachsenen Erholungsdrucks auf die Engadiner Wälder können beitragen, den Bestand des Auerhahns zu sichern.

Steinadler- und Adlerreviere

Einst verfolgt und fast ausgerottet – heute wieder mit „gesättigtem“ Bestand

Aushorstungen junger Adler und Abschüsse dezimierten den Adlerbestand alpenweit stark. Im Oberengadin waren zu Beginn des 20. Jahrhunderts noch fünf Adlerpaare bekannt. Im Val Fedoz, im Val Roseg, im Val Bever, im Val Chamuera und im Val Trupchun. Heute sind es neun Paare.

Territorial und monogam

Steinadler nutzen die alpinen Matten als Jagdgebiet und brüten in der subalpinen Stufe. Bis zur Verpaarung und Reviergründung mit vier bis fünf Jahren streifen sie durch den ganzen Alpenraum.

Steinadler über dem Berg

Die Gründe für die Rückeroberung liegen im effizienten Schutz (seit 1953 eidgenössisch geschützt) und im stark angewachsenen Bestand der Schalenwildarten. Neben dem Murmeltier bilden Gämse, Steinbock und Rothirsch die Nahrungsgrundlage für den Steinadler.

Das Weibchen des Zuozer Paars mit frischer Beute neben zwei 3-wöchige Jungadlern

Adlerreviere im Oberengadin

Fremde Artgenossen werden nicht geduldet

Steinadlerpaare verteidigen ein klar abgegrenztes Territorium, in dem sie keine fremden Artgenossen dulden. Die Grösse dieser Reviere schwankt zwischen 30 und 100 km².

Neuer Trend – Baumhorste

Von den „neuen“ Paaren werden vorwiegend Baumhorste gebaut. Im Oberengadin sind bereits acht Baumhorste bekannt. Grund dafür ist, das die optimalen Brutfelsen von alteingesessenen Paaren längst besetzt sind.

Bartgeier

Bedingt durch angeborene Neugier suchen Bartgeier oft die Nähe zu Menschen

Die Rückkehr der Bartgeier
Vor 100 Jahren waren die Bartgeier ausgerottet

Das Oberengadin gehörte Ende des 19. Jahrhunderts zu den letzten Gebieten in der Schweiz, wo noch Bartgeier existierten.

Die letzten Alpen-Bartgeier fielen der Sammelwut von Jägern und Trophäensammlern zum Opfer. Für die selten gewordenen „Knochenfresser“ wurden hohe Preise geboten.

…und heute sind sie wieder angesiedelt

Im Engadin und in angrenzenden Gebieten haben sich bereits sieben Bartgeierpaare gebildet. Fünf davon brüten und haben bis 2007 zusammen schon 22 Junggeier aufgezogen.

Zuwanderung aus andern Freilassungsgebieten

Bartgeier „Marga“ wurde 1996 in den Hohen Tauern freigelassen. Am 15. Februar 2002 sonnte sich ihr Gefieder am Spöl nahe Zernez.

Tannenhäher

Der Tannenhäher – mit seinen schnarrenden Ruf und dem auffälligen Flug – ist im Oberengadin nicht zu übersehen.

Engadiner Charaktervogel mit falschem Namen

Der Tannenhäher legt im Herbst Vorräte an, aber nicht von Tannensamen sondern von Arvennüssen. Wenn der Vogel die Arvennüsse im September und Oktober erntet, fliegt er bis zu 15 km von den Arvenwäldern zu den Verstecken. Solche Nuss-Transportflüge finden im ganzen Oberengadin statt.

Dabei versteckt ein fleissiger Vogel bis zu 100’000 Arvennüsse. Etwa 15% der Verstecke vergisst er wieder. Daraus entstehen neue Arven-Verjüngungszentren.

Erst seit 1962 ist der Tannenhäher geschützt. Seither haben sein Bestand und parallel dazu die Arve im Oberengadin zugenommen.

Wiesenbrüter

Weil sie ihre Nester am Wiesenboden bauen, verlieren Braunkehlchen und Co. besonders häufig ihr Gelege

Das Schicksal der Wiesenbrüter im Mittelland bereits besiegelt

In den intensiv genutzten Wiesen im Unterland haben die Bodenbrüter heute kaum mehr Überlebenschancen. Die relativ extensiv genutzten Flächen in den Berggebieten gelten daher für diese Vogelart als „letzte Bastionen“.

Auch im Oberengadin auf dem Rückzug

Weil ungestörtes Brüten auch im Oberengadin immer schwieriger wird, gehen die Bestände der Wiesenbrüter zurück. In zehn Oberengadiner Probeflächen sind die Braunkehlchenpaare seit 1988 durchschnittlich um ein Drittel zurückgegangen.

Uhu

Das Uhu-Männchen bewacht das brütende Weibchen aus sicherer Distanz

Bald Opfer unserer Mobilität?

Unsere grösste Eule ist kein Waldvogel. Uhus brauchen offene Flächen, wo sie nachts kleinere Wirbeltiere jagen. Ihre Brutplätze liegen nachts meist in Felsen, die ans Kulturland grenzen.

Kaum ein Brutfels, der nicht in der Nähe von Hauptstrassen oder Stromleitungen liegt: Die Sterblichkeit der Uhus hat markant zugenommen. Jährlich sterben im Oberengadin zwei bis vier Uhus den Unfalltod (von Autos überfahren, Kollisionen mit Stromleitungen, Stromschläge).